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  • 16. Oktober 2026, 17:33:35

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Autor Thema: Flusssäure und Co.  (Gelesen 25167 mal)

bombjack

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Flusssäure und Co.
« am: 02. September 2026, 06:44:53 »
Das Thema hatte ich schon mal am April 2025 auf Illumina, nur der Bereich ist für nicht registrierte Nutzer nicht zugänglich, daher stell ich die Frage/Posting mal hier ein....

Anlass war ein Bericht auf Klopfers-Web, wo ein japanischer Student nach einem Chemieunfall mit Flusssäure verstorben ist vgl.
https://www.klopfers-web.de/lld?2815


Hier also meine Frage/Posting:
Ist nun zwar schon etwas länger her, war einige Zeit als eine Art Berater in einer Firma die Glas (Scheiben 3 x 4 m groß) mit Flussäure ätzt. Dazu wurden u.a. so rund 190 L halbkonz. Flusssäure angesetzt vgl. hier mal ein Bild wo ich die konz. Säure mit einer Schlauchpumpe zum Wasser gebe:

* Acid HF.jpg (187.3 KB . 450x600 - angeschaut 498 Mal)

War durchaus interessant...besonders wenn Du weißt ein Fehler ist u.U. tödlich....

Beim Gespräch mit den Leuten die das regelmäßig machten und auch die verdünnte Säure in Mengen von 5 bis 10 L verwendeten* bekam ich mitgeteilt, dass die 74/75% Säure bei Hautkontakt (auch kleine Stelle) tödlich ist, die halbkonzentrierte aber bei Hautkontakt nicht so wild wäre und je verdünnter umso unproblematischer.
Praktisch so ziemlich das Gegenteil, was man so über Flusssäure hört.....was für mich als Newbie in dem Geschäft völlig neu war.....weil es ja heißt, dass wässrige HF gleich durch die Haut geht und abwaschen zu wenig ist, daher mal die Frage an die Runde was stimmt denn nun da.

Könnte es also sein, dass der undissoziierte HF das eigentliche Problem da darstellt? Denn ansonsten müsste ja eine NaF-Lösung ja auch recht heftig sein wenn F- so leicht hautgängig wäre und wenn H+ auch ein Problem wäre, würde das für alle Säuren gelten. Dazu würde auch passen dass NH4F in Kombination mit Zitronensäure schon wieder heftiger wäre vgl. viewtopic.php?t=4577 weil da HF freigesetzt wird.


Ach ja....bei der Sache kommt auch noch der psychische Faktor hinzu....ich wurde danach zwar mit dem Wasserschlauch intensiv geduscht, nur beim Ausziehen des Anzugs kamen die unteren Bünde der Hosenbeine in Kontakt mit meinen Unterschenkeln. Da die noch nass waren, hab ich mir eingebildet, dass es da anfängt zu jucken....machte dann halt einen "Schnelltest" d.h. Finger an die nasse Stelle und abgeschmeckt, ob es noch sauer ist, war nicht der Fall (pH-Papier war da nicht vorhanden).

* = Die Glasscheiben wurden mit einer Art "Ätzkitt" aus Kolophonium, Bienenwachs und Paraffin eingefasst, mit Wasser benetzt und dann dort 5 bis 10 L der verdünnten Säure aufgebracht und einige Minuten gewartet. Dem Finger wurde dann ein Ausguss in den weichen Ätzkitt gemacht, das Glas gekippt die Säure zur Wiederverwendung aufgefangen und die Scheibe mit Wasser gewaschen. Kunst dabei war, mehre Scheiben gleich zu ätzen und auf den Scheiben keine "Gradienten" zu erzeugen.


bombjack

Nobby

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Re: Flusssäure und Co.
« Antwort #1 am: 04. September 2026, 09:15:12 »
Auch hier gilt die Menge und die Einwirkdauerzeit macht was ein Gift ist. Bei der konzentrierten Säure reicht ein ca. 2 € grosser Fleck auf der Haut aus, der ca. 2 Minuten vorhanden ist um tödlich zu wirken. Bei der verdünnten Säure muss die Kontaktfläche und die Einwirkzeit höher sein.
Ich selber habe für die Bohrlochreinigung von Leiterplatten, die aus Glasverbundwerkstoffen ( FR4) bestehen mit einer besonderen Ätzlösung, die aus ca 45 g/l Natriumbiflourid NaHF2 und 35 ml/l Schwefelsäure 98%w.w. (HF in situ) arbeiten dürfen. Für die Badansätze musste Vollschutz getragen werden.
Ca. 5%ige Lösungen dieser Mischung zur Haftvermittlung auf den Glasfasern wurden jedoch als ungefährlich eingestuft.
« Letzte Änderung: 04. September 2026, 09:22:15 von Nobby »

Cuny

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Re: Flusssäure und Co.
« Antwort #2 am: 16. September 2026, 16:59:29 »
Die undissoziierte HF ist das Problem, weil sie klein und ungeladen durch die Haut kommt, anders als Fluorid in der NaF-Lösung. Im Gewebe dissoziiert HF dann und die Fluoridionen führen zur toxischen Wirkung (Calcium- und Magnesiumbindung). Und mit einem pKa von etwa 3,2 ist Flusssäure eine vergleichsweise schwache Säure und entsprechend viel HF liegt undissoziiert vor.

Und solche Erfahrungen und Vereinfachungen zur Gefährlichkeit von Stoffen durch Anwender sind immer mit etwas Vorsicht zu genießen. Anderes Beispiel: ich sprach mal mit einem Schichtleiter, der nicht glauben wollte, dass eine im Werk gehandhabte Substanz akut inhalationstoxisch Kategorie 1 ist, weil noch keiner tot umgefallen ist. :-D Was ich meine ist, dass die Gewebeschäden bei konzentrierter HF fieser aussehen werden, als bei Halbkonzentrierter. Das könnte zu voreiligen Schlüssen zur Toxizität führen.

Ein befreundeter Glasbläser erzählte mir mal von seiner Ausbildung, in der mit Flusssäure Glas geätzt wurde. Dabei wurde, so seine Erzählung, so viel Flusssäure verwendet, dass die Fensterscheiben im Raum milchig wurden. :-X