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Autor Thema: Tryptaminsynthese aus L-Tryptophan  (Gelesen 47449 mal)

bombjack

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Re: Tryptaminsynthese aus L-Tryptophan
« Antwort #15 am: 02. Dezember 2009, 22:37:36 »
Update:


50 g (244.822 mmol) Tryptophan in ca. 350 ml Terpentinöl (mit Krauseminzöl) 10 h im Rückfluß gekocht bis eine klare Lösung erhalten wurde. Nach abkühlen (-25°C Tiefkühltruhe) war ein gelblicher Bodensatz vorhanden. Terpentinöl abdekantiert und den Bodensatz in 50 ml Chloroform und 300 ml 5% AcH aufgenommen. Die Chloroformphase nochmals mit ca. 4 x 200 ml Portionen 5% AcH extrahiert. Die kombinierten Extrakte wurden mit Natrioumhydrogencarbonat solange neutralisiert bis fast keine Gasentwicklung mehr vorhanden war und der Extrakt wurde mittels Saugfiltration von öligen Rückständen befreit, dabei zeigte sich, daß diese Rückstände den Filter verstopfen. Zur Abhilfe wurden mehrere Blätter Klopapier im Filtrat als Filtrierhilfmittel zerfasert. Der Extrakt (ca. 1.1 l) wurde am Rotationsverdampfer bis ins Trockene eingedampft und der Rückstand zusätzlich nochmals 1 h bei 90°C Wasserbadtemperatur im Vakuum gehalten, um Reste des Krauseminzeöl zu vertreiben.
Der Rückstand wurde in der kleinsten Menge Wasser aufgenommen und nochmals mit 50 ml Chloroform versetzt. Die Chloroformphase wurde nochmals mit 2 x 100 ml Portionen 5% AcH extrahiert und der kombinierte Extrakt wurde am Rotationsverdampfer nochmals eingeengt, um überschüssiges Chloroform zu entfernen.
Nach Zugabe von 50% Natronlauge fiel das Tryptamin aus, wobei das Fällungsgefäß kurz in die Tiefkühltruhe gestellt wurde. Waschen mit verdünnter Ammoniaklösung....

Ergebnis: 35.5 g (221.570 mmol) eines ockerfarbenen Pulvers
Schmelzpunkt: 112-114°C
Ausbeute: 90.50%

Werde demnächst mal ausprobieren ob es auch mit dickflüssigen Paraffinöl plus Krauseminzeöl geht.

bombjack








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Re: Tryptaminsynthese aus L-Tryptophan
« Antwort #16 am: 03. Dezember 2009, 16:29:49 »
Dankeschön  :-)

bombjack

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Re: Tryptaminsynthese aus L-Tryptophan
« Antwort #17 am: 06. Dezember 2009, 22:49:40 »
Der Paraffinversuch:

In 200 ml dickflüssiges Paraffinöl und ca. 2 ml Krauseminzeöl wurden 30 g L-Tryptophan (146.893 mmol) suspendiert und die Mischung erhitzt (Stufe 7 des Magnetrührers).
Die Farbe veränderte sich innerhalb der ersten halbe Stunde von Weiß zu Ocker. Nach 1.5 h kann man in der Mitte des Erlenmeyerkolbens aufsteigende Blasen beobachten (Stellung der Temperaturanzeige: Stufe 7.5). Laut dem "double-chamber gas bubble counter miethke"  (http://h74k1.catalogus.de/VGKL13/pdf/de/KG04/01/14/KG04_01_14_1550.pdf ) fand eine lebhafte Gasentwicklung statt und die Lösung klärte sich innerhalb von 20 min, wobei sich die Farbe von klar rotgoldenbraun zu dunkelbraun verfärbte, zusätzlich konnte man eine braune ölige Flüssigkeit im Paraffin beboachten. Nach 2 h wurde die Heizplatte und die Rührfunktion abgeschaltet. Beim Abkühlen scheidet sich besagtes dunkles Öl ab und zugleich trübt das Parrafinöl ein.
Aufarbeitung der Synthese:
Abdekantieren des Paraffins vom Rückstand und waschen desselben mit 3 mal 100 ml Spezialbenzin Lösol 80. Die Lösol-Portionen werden zum Paraffin gegeben um dieses Lösungsmittel besser handhabbar zu machen. Unter erwärmen wird der Rückstand in 300 ml 5% Essigsäure aufgenommen; es bildet sich eine braune Lösung, mit gräulichen Flusen. Das verdünnte Paraffin wird mit weiteren 2 x 100 ml 5% AcH-Lösung extrahiert, dabei bildet sich eine Interphase die zur Klärung etwas länger stehen muß. Unter Umständen kann eine schnellere Klärung dadurch erreicht werden, wenn die Paraffin-Fraktion mit Lösol weiter verdünnt wird, was sich auch teilweise bestätigt hat. Der kombinierte Extrakt (ca. 1.2 l) wird mit einigen weiteren Portionen (600 ml) Lösol 80 gewaschen, dabei wird nur die klare Lösol 80 Phase (oben liegend) abgetrennt, die eventuell vorhandene Interphase wird mitgenommen. Am Ende der Waschschritte ist ist die Interphase vernachlässigbar klein. Zugabe von ca. 60 g Natriumhydrogencarbonat in Portionen und ca. 10 Blätter Klopapier, dabei stark rühren, so das das Klopapier zerfasert. Es wird dabei ein schwarzer öliger Rückstand frei gesetzt der sich an die Papierfasern anlagert. Nach der Saugfiltration erhält man eine klare gelbliche Lösung die am Rotationsverdampfer ins Trockene einrotiert wird. Der Rückstand wird 1 h bei 90° Wassertemperatur im Vakuum behalten und danach in der kleinsten Wassermenge aufgenommen. Die gelbliche Lösung wurde mit 100 ml Chloroform versetzt und der Überstand mittels Scheidetrichter abgetrennt. Das jetzt gelb gefärbte Chloroform wurde 3 x mit je 100 ml 5% AcH nochmals extrahiert und die kombinierten Extrakte am Rotationsverdampfer um ca. die Hälfte reduziert. Nach der Zugabe von 50% Natronlauge bis pH-Wert von 14 wurde die Lösung in die Tiefkühltruhe zum Abkühlen gestellt. Auch bei -25°C war die Lösung flüssig und wurde nachdem sie sich auf ca. 5°C  erwärmt hat einer Saugfiltration unterworfen. Der abgetrennte Niederschlag wurde mit mehreren Portionen verdünnter eiskalter Ammoniaklösung gewaschen und anschließend getrocknet. Es zeigte sich das der Rückstand beim trocknen ölig wurde, deshalb wurde nochmals einer Chloroform-AcH-Extraktion unterworfen. Rückstand mit 100 ml Chloroform versetzt und erst mit 200 ml 5% AcH extrahiert, anschließend die Extraktion mit 2 x 100 ml 5% AcH-Portionen fortgesetzt. Die kombinierten Extrakte wurden noch 2 mal mit je 60 ml Chloroform gewaschen, dabei zeigte sich daß im letzten Waschgang das Chloroform fast keine gelbliche Färbung mehr an nahm. Zugabe von ca. 15 g Natriumhydrogencarbonat und anschließend versetzen der Lösung mit 50% Natronlauge. Es fiel zuerst ein gelbliches Öl aus, was erst durch kratzen mit einem Spatel sich verfestigte. Das Fällungsgefäß wurde wieder in die Tiefkühltruhe gestellt. Nach 1 h wurde der Niederschlag abfiltriert und gründlich mit verdünnter Ammoniaklösung gewaschen.

Ergebnis: 13.6 g (84.883 mmol) eines blaß gelblichen Pulvers
Schmelzpunkt: 102-106°C
Ausbeute: 57.78%



bombjack

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Re: Tryptaminsynthese aus L-Tryptophan
« Antwort #18 am: 28. Dezember 2009, 23:59:09 »
Kleines Update:

Umkristallisierungsversuche:


* Recrystalisation.JPG (811.96 KB . 1280x960 - angeschaut 2262 Mal)


1. aus Aceton:
Es fällt ein sehr weißes Produkt aus.

2. aus Ethanol (Brennspiritus von Kluthe):
Es löst sich auch in der Kälte sehr viel Tryptamin. Beim Abkühlen bildete sich eine übersättigte Lösung die erst durch reiben mit einem Glasstab zur Kristallisation gebracht werden könnte. Das ausgefallene Produkt ist stärker bräunlich gefärbt als die "Aceton-Fraktion".
3. aus Toluol:
Die bräunliche Verfärbung des Produktes bleibt nicht in Lösung, sondern scheidet sich als Öl (und nach dem erkalten als Feststoff) ab.

4. aus "White Spirit" (Lösol Terpentinersatz "White Spirit" von Kluthe):
Produkt schmilzt beim erhitzen des LM, nach abkühlen, nur sehr wenig weißer Niederschlag.

5. aus Lösol 80 (Kluthe):
Produkt löst sich sichtbar nicht auf, es scheidet sich nur ein sehr leichter weißer Schleier beim abkühlen ab.


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Re: Tryptaminsynthese aus L-Tryptophan
« Antwort #19 am: 29. Dezember 2009, 00:06:41 »
Nach diesen Vorversuchen wurde Aceton als das LM zum umkristallisieren gewählt:

Das gesamte Produkt (Einwaage nicht festgestellt) wurde in 200 ml Aceton suspendiert und im Rückfluß gekocht. Es wurde solange Aceton zugegeben (ca. 350 ml) bis eine Lösung entstand, die zum auskristallisieren bei -25°C stehen gelassen wurde.

Ergebnis: ca. 62 g Tryptamin Fraktion 1:


* Tryptamine-Fraktion1.JPG (815.95 KB . 1280x960 - angeschaut 2251 Mal)

Die Aceton-Lösung wurde am Rotationsverdampfer bis ins Trockene eingeengt und dann nochmals in Aceton in Lösung gebracht. Gesamtlösungsvolumen ca. 200 ml.
Es wurde Fraktion 2 erhalten:

* Tryptamine-Fraktion2.JPG (838.24 KB . 1280x960 - angeschaut 2174 Mal)

bombjack


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Re: Tryptaminsynthese aus L-Tryptophan
« Antwort #20 am: 29. Dezember 2009, 00:10:08 »
Der Acetonrückstand wurde am Rotationsverdampfer auf ca 10 bis 15 ml eingeengt. Dabei blieb ein dunkelbraunes Öl über, was sich nach dem Abkühlen verfestigte:

* Tryptamin-Oel-Fraktion.JPG (738.25 KB . 1280x960 - angeschaut 2147 Mal)

Die Produkte wurden einem DC unterworfen:
Laufmittel: 45 ml 94 Vol% Ethanol (Brennspiritus Kluthe) + 5 ml 25% NH3-Lösung
Platte: Kieselgel 60 F254 5 x 10 cm Merck

* Tryptamine Recrystallisation TLC.jpg (68.52 KB . 1279x692 - angeschaut 2121 Mal)
Hier das Bild unter UV-254nm:

* Tryptamine Recrystallisation TLC 254nm.jpg (72.26 KB . 1279x804 - angeschaut 2163 Mal)

Auf eine Behandlung mit DMAB wurde verzichtet, da die Fluoreszenzlöschung für eine Identifikation meiner Ansicht nach ausreicht.
Bei Fraktion 1 dürfte es sich um reines* Tryptamin handeln, Fraktion 2 zeigt eine leichte Löschung oberhalb des Tryptaminspots. Der dunkle Streifen dürfte ein Lösungsmittelfrontrückstand sein. Die Ölfraktion zeigt noch mehrere Spots die besonders auffällig im UV mit 365 nm werden:

* Tryptamine Recrystallisation TLC 365nm.jpg (71.15 KB . 1044x630 - angeschaut 2120 Mal)

bombjack


Edit: *= bei der Schmelzpunktbestimmung mit dem Büchi 535 zeigte sich ein Schmelzpunkt von 135°C (Literatur: 114 - 119 °C); wie kann das sein?
Edit die Zweite: das selbe Problem hatte ich weiter oben schon mal und da war Aceton auch das LM....könnte da das Aceton was machen?
« Letzte Änderung: 29. Dezember 2009, 00:15:32 von bombjack »

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Re: Tryptaminsynthese aus L-Tryptophan
« Antwort #21 am: 29. Dezember 2009, 09:08:13 »
HI,

jenachdem aus welchem Lösungsmittel du umkristallisierst erhälst du unter Umständen andere Kristalle bzw. Modifikationen. Diese haben zum Teil einen unterschiedlichen Schmelzpunk. In guter Literatur steht aus welchem Lösungsmittel rekristallisiert wurde, wobei ich dann den dort angegebenen Schmelzpunkt nur mit Vorsicht generallisieren würde.

Dein Produkt könnte nun rein sein, nur das der unterschiedliche Schmelzpunkt auf eine andere Kristallmodifikation zurückzuführen ist.

prawda

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Re: Tryptaminsynthese aus L-Tryptophan
« Antwort #22 am: 29. Dezember 2009, 15:13:38 »
Hi,

Ich hab dazu folgendes gefunden:

Zitat
First of all, tryptamine oxidises quite easily on the shelf, turning to a deep orange/brown colour. If this is the case it needs recrystallizing from boiling heptane or hexane (heptane slightly better). The yield for each recryst is quite shit and it might be necessary to repeat the process on the leftover orange crap. Once recrystallised, tryptamine looks like soft, flat, large, waxy white crystals.

Das Merck Sicherheitsdatenblatt spricht aber auch von orangenen Kristallen und gibt den Schmelzpunkt, ähnlich deiner Literatur, mit 111-114°C an. Da du auch orangene Kristalle hast, wäre die Oxidation keine gute Begründung. Außerdem würde ich dem Merck Datenblatt eher vertrauen, als der obigen Quelle.

Quellen
Merck Sicherheitsdatenblatt
Erowid Eintrag <- Darf ich sowas hier posten, ist leider eine "Anleitung" eines BTMG aufgeführten Stoffs, passt aber sehr gut zum Thema und ich habe auf der Suche nach Forenregeln nur die Anweisung gefunden, Quellen anzugeben.

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Re: Tryptaminsynthese aus L-Tryptophan
« Antwort #23 am: 29. Dezember 2009, 17:13:10 »
Erowid Eintrag <- Darf ich sowas hier posten, ist leider eine "Anleitung" eines BTMG aufgeführten Stoffs, passt aber sehr gut zum Thema und ich habe auf der Suche nach Forenregeln nur die Anweisung gefunden, Quellen anzugeben.
Hier dürfen praktisch alle Informationen gepostet werden - Wissen ist schließlich nicht illegal. Wir begrüßen eine Diskussion auch zu Themen, die in anderen Foren nicht toleriert werden. Ich halte ein offenes Gespräch für sinnvoller als eine Tabuisierung gewisser Bereiche der Chemie, die von manchen Personen als "böses Wissen" abgestempelt und weggeschlossen werden. Dazu kommt die (teilweise leider berechtigte) Befürchtung von Webseitenbetreibern, sich selbst durch eine offenere Haltung Ärger einzuhandeln.
Mein PGP-Schlüssel; Fingerprint: 7FAF A6DF 2554 B333 E87A 88A9 259F E617 B7F7 ED6E

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Re: Tryptaminsynthese aus L-Tryptophan
« Antwort #24 am: 29. Dezember 2009, 17:29:01 »
Zudem Tryptamin steht nicht GÜG (Grundstoffüberwachungsgesetz), noch im BtmG.....und für die mitlesenden Beamten:

Es ist ein schöner Stoff zum spielen, die Edukte (Tryptophan und Krauseminzenöl) sind nicht toxisch, das LM für die Synthese (gereinigtes Terpentin usw.) ist auch recht harmlos und das Tryptamin auch....einen schöneren Stoff für Chromatographieanwendungen, Synthesen-, Aufreinigungsmodifikationen kann ich mir nicht vorstellen.

Btw. plane eine Säulenchromatographie mit dem braunen Schlonz zu probieren......einfach um mal zu sehen ob sich DC-Resultate auf SC übertragen lassen bzw. welche Fallstricke es da gibt.....


bombjack

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Re: Tryptaminsynthese aus L-Tryptophan
« Antwort #25 am: 01. Januar 2010, 22:12:59 »
Der hohe Schmelzpunkt dürfte geklärt sein:

Umkristallisierungsversuch aus Lösol 80 (Spezialbenzin von Kluthe)

5.034g des Tryptamins werden mit 100 ml Lösol 80 versetzt und die Mischung am Rückfluß gekocht. Bei Zugabe von weiteren 50 ml Lösungsmittel trübte sich die Lösung weiß ein. Es wurden weitere 250 ml LM zugegeben, wobei sich die Substanz nicht vollständig auflöste. Die noch heiße Flüssigkeit wurde in ein Gefäß abdekantiert und auf 0°C abgekühlt. Die jetzt trübe Lösung wurde geschwenkt, wobei sich ein Niederschlag absetzte. Das Volumen des abdekantierten Lösemittels dürfte ca. 350 ml gewesen sein.

Auswaage: 1.238g eines weiß-beigen Pulvers

Schmelzpunkt: 100-102°C (aus Lösol 80)

Das Pulver wurde mit Aceton verrieben und nochmals getrocknet und eine erneute Schmelzpunktbestimmung durchgeführt:

Schmelzpunkt: 134-136°C (aus Aceton)

Das Umkristallisieren aus Kohlenwasserstoffen, dürfte bei den Ausbeuten nicht praktikabel sein und zudem habe ich gewisse Bedenken so rund 500 ml heißen Benzin abzudekantieren oder gar durch einen Filter zu jagen....

bombjack

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Re: Tryptaminsynthese aus L-Tryptophan
« Antwort #26 am: 13. Januar 2010, 00:28:50 »
Vorversuche zur Preparative Layer Chromatography (PLC):

Es wurden verschiedene Laufmittel-Gemische (94 Vol.% Brennspiritus von Kluthe + 25% oder 9.9% Ammoniak-Lösung) ausprobiert, um dafür zu sorgen, dass die braunen Verunreinigungen vom Tryptamin abgetrennt werden:


* TLC-EtOH-1.jpg (42.81 KB . 602x776 - angeschaut 2091 Mal)


* TLC-EtOH-2.jpg (46.9 KB . 592x834 - angeschaut 2067 Mal)


* TLC-EtOH-3.jpg (45.82 KB . 639x862 - angeschaut 2071 Mal)

Die Entscheidung fiel für 42.3 Vol.% Ethanol (Brennspiritus Kluthe) mit 1.25% NH3

Um den bandförmigen Auftrag zu testen wurde ein folgendes TLC gefahren, wobei die Probe (Öl-Fraktion) mittels einer 0.7 mm Trichterfeder http://de.wikipedia.org/wiki/Trichterfeder aufgetragen wurde und der Standard wurde abgetrennt.

* PLC-UV254.JPG (64.51 KB . 1262x704 - angeschaut 2068 Mal)

PLC:
Da die PLC-Platten (20x20 cm Kieselgel 60 mit F254S von Merck) eine Konzentrierungszone von 4x20 cm hatten, wurde auf den Auftrag mit der Trichterfeder verzichtet (wäre bei der Menge ein Problem geworden) und stattdessen eine kleine Plastikpipette genommen.

Laufmittel: 45 ml 94 Vol.% Ethanol + 12.62 ml 9.9% NH3-Lösung (@100 ml) das entspricht 42.3 Vol.% Ethanol mit 1.25% NH3
Probe: 1 g Tryptamin wurde in 5 ml 100% Methanol gelöst und dieses in der Konzentrierungszone strichweise aufgetragen und anschließend komplett getrocknet.

* PLC1.jpg (12.43 KB . 422x415 - angeschaut 2036 Mal)

Das Chromatogramm wurde entwickelt, was mehrere Stunden dauerte. Hier sieht man wie die Probe durch die Konzentrierungszone konzentriert wird:

* PLC-Run-1.jpg (21.22 KB . 640x480 - angeschaut 2065 Mal)

Nach dem entwickeln und trocknen sieht die Platte wie folgt aus:

* PLC-1-Dry-20x20cm.jpg (14.5 KB . 436x440 - angeschaut 2180 Mal)

Hier die beiden UV-Bilder:

* PLC-1-UV254nm.jpg (15.62 KB . 464x479 - angeschaut 2163 Mal)

* PLC-1-UV366nm.jpg (23.39 KB . 480x640 - angeschaut 2165 Mal)


Mit Hilfe der 254 nm UV-Lampe wurde der Bereich makiert, der extrahiert werden sollte:

* PLC-1-Vis-UV254nm-Take.jpg (19.32 KB . 609x477 - angeschaut 2153 Mal)

und aus dieser Stelle wurde die Beschichtung abgeschabt:

* PLC-1-Harvest.jpg (22.91 KB . 479x575 - angeschaut 2164 Mal)


Anschließend wurde das Pulver in kleinen Portionen (20 ml) mit 100 ml Aceton extrahiert und im Rotationsverdampfer ins Trockene eingedampft, dabei entstand zuerst ein gelbliches Öl, was sich durch erneute Aufnahme in etwas Aceton und nochmaligen verdampfen zur Kristallisation  gebracht werden konnte.

Allerdings war die Ausbeute nur 0.067 g

bombjack


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Re: Tryptaminsynthese aus L-Tryptophan
« Antwort #27 am: 26. Januar 2010, 00:45:37 »
Kleines Update:

Spiele gerade mit der SC rum und habe Probleme mit der Flussgeschwindigkeit, die sich nun teilweise lösen ließen:

Ein Testversuch wurde mit 94 Vol.% Ethanol (Brennspiritus von Kluthe) gemacht, dem auf 50 ml 0.5 ml Diethylamin (DEA) zugesetzt worden sind. Die Säule würde mit Kieselgel 60 gefüllt, was anscheinend schon einmal benutzt war (hatte eine gelbliche Farbe und stammt aus einem Labor für Peptidsynthese). Die Tropfgeschwindigkeit lag in einem akzeptabelen Rahmen. Zu Testzwecken wurden 0.2 g des schwarzbraunen Rückstands aus der Umkristallisation auf die Säule gegeben um Erfahrung mit dem Auftragen und Einlaufen zu bekommen. Das Elutionsmittel verfärbte sich von Anfang an gelb und die Bande des aufgetragenen Produkts zog sich in die Länge, deshalb wurde der Versuch abgebrochen und die Säule erneut befüllt.

Hier der Auftrag:

* Test-Column-Chromatography 1.jpg (9.58 KB . 237x435 - angeschaut 2182 Mal)

Das Einlaufen der Probe:

* Test-SC-Einlauf.jpg (6.87 KB . 234x364 - angeschaut 2157 Mal)
 

Das sehr verzehrte Band:

* Test-SC-Band.jpg (7.29 KB . 202x435 - angeschaut 2149 Mal)





b) Neubefüllung der Säule; Elutionsmittel: 94 Vol.% EtOH mit 1% DEA. Nach Zugabe von 120 g Kieselgel 60 war die Säule nur zur Hälfte befüllt und die Tropfgeschwindigkeit ging auf 15 ml pro 60 min zurück, daher wurde das Befüllen abgebrochen.


c) Eine neue (Orginalverschlossene) Flasche mit Kieselgel 60 wurde geöffnet und die Säule wieder befüllt. Diesmal blieb die Tropfgeschwindigkeit wieder im akzeptabelen Rahmen. Als Elutionsmittel wurde diesmal 90 Vol% Isopropanol mit 1% DEA gewählt, da der Ethanolvorrat aufgebraucht worden ist. Es wurden wieder 0.2 g des öbigen Rückstands aufgetragen und die Säule laufen gelassen. Es zeigten sich drei Bänder und die Elutionsflüssigkeit wurde sporadisch auf Tryptamin mittels DMAB-Lösung auf der Tüpfelpatte geprüft.

Hier die beiden oberen Bänder:

* Real-SC-Lauf 1.jpg (8.08 KB . 123x597 - angeschaut 2174 Mal)

Das untere Band indem sich das Tryptamin befindet:

* Real-SC-Lauf 1-2.jpg (9.59 KB . 159x579 - angeschaut 2138 Mal)


Schlussfolgerungen:

1. Anscheinend enthielt der Behälter (2 kg Kieselgel 60 von Merck mit der Aufschrift "Reste") aus Buchstabe b) nicht "Kieselgel 60" wie es die Aufschrift vermuten ließ; ein deutlicher Hinweis ist, dass 125 g die Säule nur bis zur Hälfte gefüllt haben, während bei Buchstabe c) mit 120 g Kieselgel die Säule fast schon überfüllt war. Vermutlich wurde da auch feineres Kieselgel hinein geschüttet, was zur Flash-Chromatographie geeignet ist, das würde dann auch die sehr geringe Durchflussgeschwindigkeit erklären.

2. Bei dem Füllprotokoll ist es der Füllzeit sehr unzuträglich, wenn sich das Kieselgel absetzt, dann geht die Füllung nur im Schneckentempo voran.

3. Beim Suspendieren des Kieselgels ist es ratsam das Rührobjekt (in dem Fall Metall-Spatel) mit einem Gummi zu überziehen, so vermeidet man "Sternchen" im 500 ml Tropftrichter.

4. Die Tropfgeschwindigkeit beträgt 6 ml in 20 Minuten.


5. Es empfiehlt sich die Flüssigkeit die zwischen der Fritte und dem Teflonhahn steht abzulassen, ansonsten kann man bei so einer langsamen Flussgeschwindigkeit eine Trennung nicht gewährleisten, weil sich in diesem Totvolumen die "Elutionspeaks" vermischen.




Fragen:
a) Ist es normal das die Banden so zerlaufen oder ist das ein Tailing-Effekt wie er auch bei einem überladenen DC zu beobachten ist?

b) Sind 6 ml Eluent in 20 min für eine Säule mit 30 mm Außendurchmesser und einer Füllhöhe (Kieselgel 60 von 50 cm ein normaler Durchflußwert?

c) Was könnte man machen, damit sich dieser Durchflußwert erhöht, außer ein "gröberes" Kieselgel zu nehmen; hilft vielleicht das untermischen von Hyflo Super Cel (5-25µ) um die Fließgeschwindigkeit zu erhöhen?

d) Ist oben genanntes Hyflo Super Cel als obere Schicht zur Aufgabe der Probe geeignet oder sollte man doch lieber gereinigten Seesand benutzen?

e) Kann man berechnen wieviel Probe so eine Säule verträgt? Habe die Sache nach der "Faustregel" in "Isolierung und Charakterisierung von Naturstoffen" berechnet, wo steht, dass pro 1 Teil Gemisch die 100 bis 500-fache Menge stat. Phase erforderlich ist.

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Re: Tryptaminsynthese aus L-Tryptophan
« Antwort #28 am: 26. Januar 2010, 06:28:34 »
Hi,


bei uns im Labor sind Säulen an der Tagesordnung und so habe ich mir ein wenig Wissen angeeignet.


Fragen:
a) Ist es normal das die Banden so zerlaufen oder ist das ein Tailing-Effekt wie er auch bei einem überladenen DC zu beobachten ist?
- Ich würde eher auf ein falschen Eluenten oder Diffusion schließen. Deine Säule ist hoffnungslos überdimensioniert. 0.2g auf 120 g Kieselgel ist viel zu viel. Selbst bei schwierigen Trennproblemen (viele Spots nacheinander) hält man sich grob an die 1:100 Regel. 1g deiner Substanz auf 100g Kieselgel. Somit hättest du in einer recht kleinen/dünnen Säule nur 20 g verwenden sollen (Höhe der Füllung ~ ca. 1/3).


b) Sind 6 ml Eluent in 20 min für eine Säule mit 30 mm Außendurchmesser und einer Füllhöhe (Kieselgel 60 von 50 cm ein normaler Durchflußwert?
- Die Menge ist meiner Meinung nach seher gering. Wir im Labor machen nur "Flash-Chromatographie". Das heißt wir legen teilweise starken Überdruck mittels Druckluft an und pressen das Lösungsmittel durch. Du könntest mit einer Art Peleusball wenig Druck aufbauen damit es schneller geht. Wenn du zu schnell wirst, reisst dir die Phase aufgrund der Wechselwirkung mit der Glaswand wieder aus.

c) Was könnte man machen, damit sich dieser Durchflußwert erhöht, außer ein "gröberes" Kieselgel zu nehmen; hilft vielleicht das untermischen von Hyflo Super Cel (5-25µ) um die Fließgeschwindigkeit zu erhöhen?
- siehe b)

d) Ist oben genanntes Hyflo Super Cel als obere Schicht zur Aufgabe der Probe geeignet oder sollte man doch lieber gereinigten Seesand benutzen?
-Wie meinst du das ? Normalerweise nimmt man die Probe in einem Minimum Eluent auf und gibt das mit der Pipette auf die Säule und gibt dann etwas Sand darüber damit bei der Zugabe vom Eluenten du dir nicht die Säulenoberfläche zerstörst.
Natürlich wird auch zum Teil auf Kieselgel aufgezogen und dann auf die Säule gegeben, aber dann macht man es wie folgt: Probe in Dichlormethan lösen, ca. 5-fache Menge Kieselgel dazu und vollständig das Lösungsmittel im Vak. verdampfen. Dann eine gleichmäßige Schicht auf die Säule geben und mit Eluent versetzen.
e) Kann man berechnen wieviel Probe so eine Säule verträgt? Habe die Sache nach der "Faustregel" in "Isolierung und Charakterisierung von Naturstoffen" berechnet, wo steht, dass pro 1 Teil Gemisch die 100 bis 500-fache Menge stat. Phase erforderlich ist.
-s.o

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Re: Tryptaminsynthese aus L-Tryptophan
« Antwort #29 am: 17. Februar 2010, 23:19:06 »
Hallo alle Zusammen!

Läge es nicht nahe eine solche decarboxylierung in Methyl-n-pentylketon zu fahren? Ich meine das würde sich mir irgendwie aufdrängen, einziger schönheitsfehler wäre der KP welcher leicht unter 150°C liegt... eine HCL Fällung mit Salzäure-Lösung wäre dann auch eine Option... ich werd mich diesbezüglich umhören wenn von euch keiner was dazu weiß.
Benzophenon währe ja der klassiker für diese Reaktion (Organic Functional Group Preparation, Sandler Karo,1968)

Sollte bis in max. 2 Wochen was dazu (in MPK) in erfahrung bringen können


MfG