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  • 17. Dezember 2018, 15:33:08

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Autor Thema: Pyridin Zwischenfall  (Gelesen 769 mal)

Franco

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Pyridin Zwischenfall
« am: 24. September 2018, 14:28:41 »
Hallo,

ich habe gestern vor dem Schlafengehen echt den Vogel abgeschossen: ich habe wenige ml Pyridin auf Fliesen verschüttet.
Der perfekte Zeitpunkt für Laborarbeiten...

Das war schnell aufgenommen,der Bereich gereinigt. aber das die Fliesenfugen einmalig duften, naja...

Es hat ja eine rel. hohe Siedetemperatur, den Raum jetzt lüften zu lassen, was ohne Beeinträchtigung der angr. Räume gut klappt wird sich wohl ewig hinziehen....

Ich frage mich wie ich deas unterstüzen kann?

Das P. bildet ja Salze...organische Säuren wie Weinsäure od. Ascorbinsäure sind wohl zu schwach aber ist eine verd. H2SO4 die ich im Bereich aufbringe evtl. geeignet.

Das Pyridin bildet das geruchlose Sulfat...gut die Fliesenfugen werden angegriffen aber immer noch besser als Raushacken oder weiterhin den Raum  nicht nutzen können.

Was sagt ihr?

Grüße und danke!

Phil

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Re: Pyridin Zwischenfall
« Antwort #1 am: 24. September 2018, 17:07:44 »
Ok Nimm ein Stativ und einen Föhn leite die Warme Luft über die Fliessen. Pyridin ist flüchtig und geht so schnell weg.
Nicht die Gewalt einiger weniger ist gefährlich, sondern das Schweigen der Masse.
Wer suchet der findet. Wer drauftritt, verschwindet. Alte Mienenregel.
Heute ist nicht alle Tage ich komm wieder keine Frage.
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Franco

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Re: Pyridin Zwischenfall
« Antwort #2 am: 24. September 2018, 17:29:27 »
Hi,

danke erstmal...ich hatte schon erwogen mit einem Brenner zu erwärmen und die entw. Dämpfe damit gleichzeitig zu verbrennen.


Nachdem ich vorhin geschrieben hatte, habe ich nochmal mit einer schwachen Weinsäurelsg./CU2SO4 Lsg. gespült, sofort lies die Schärfe und die Intensität des Geruches nach.

Ob die Weinsäure stark genug ist weiß ich nicht aber Cu II bildet Komplexe.

Eigentl. wird ja immer 10% HCI empfohlen aber ich mag die einfach nicht, ihrer Ausgasungen und deren Folgen wegen...ggf. wisch ich ja trotzdem später nochmal mit einer frischen HCl 5%/Cu2SO4 Lsg nach!

Hätte ich das mal schon heute Nacht gewußt, ihr könnt' euch nicht vorstellen was das für eine Messe war, mit Arbeiten gehen war heute nat. auch nix...bin ja erst 6 in's Bett nachdem ich noch ewig totallüftender Weise draußen rumgelaufen bin!


Obwohl das Pyridin nicht das Megagift ist, richt es so, ich glaube da sind keine wesentlichen Mengen eingesickert, ich gehe von <5 ml aus aber der Geruch ist dermaßen Intensiv.

Auf der einen Seite kann man lesen, das einen der wiederliche Gestank schon lange vor toxischen Konzentrationen vergrämen würde, auf der anderen Seite gibt es aber GAR KEINE MAK weil die Substanz krebserregend ist, Männer dürfen zudem eigentl. garnicht mit der Substanz arbeiten.


Gut, danke erstmal..wenn jemandem noch was einfällt...ich glaube die drei genannten Maßnahmen sind schon ganz gut!

Grüße!

Phil

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Re: Pyridin Zwischenfall
« Antwort #3 am: 24. September 2018, 17:41:25 »
Nun mach Dir keine Sorgen das wird nicht mehr lange riechen, mit Säuren machst Du Salze und diese stauben, das ist auch nicht unbedingt gut.
Pyridin macht nicht impotent sondern nur für eine gewisse Zeit Lustlos.
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Re: Pyridin Zwischenfall
« Antwort #4 am: 24. September 2018, 23:46:41 »
Hallo,

lustlos, egal, ich hatte es so verstanden, dass man Zeugungsunfähig wird, das wäre zwar -momentan- egal aber man weiß ja nie.

Bin gerade nach Hause gekommen, habe einen Brenner besorgt, ihr aber noch nicht benutzt.

Im Treppenhaus roch ich nix, selbst im Flur nicht aber im Unfallraum, nach wie vor der Hammer, jetzt zwar auch ohne Gasmaske begehbar aber schon noch gut stechend und subjektiv kaum ein Unterschied mit vor 10 Stunden....von daher kaum vorstellbar das man das jemals nicht mehr riechen soll!

Die Lösung tut aber ihr Ding.
Direkt die Stelle wo die Flasche, eher das Fläschchen landete ist komplett Geruchlos...war aber auch den ganzen Tag feucht mit Toilettenpapier bzw. der Lösung abgedeckt...nun das Papier (ebenso geruchlos) entfernt, die Wände mit der Lsg. abgewischt (nochmals weiter verdünnt) dann den gesamten Fußboden nochmal reichlich eingeschlämmt und es soll eigentlich auch längere Zeit feucht bleiben, benetzt werden und schließlich mit allem was drin gelöst ist wieder aufgenommen werden.

Langsam habe ich das Gefühl der hölzerne Unterbau vom Abzu hätte was abbekommen...der wird dann wohl entleert werden müssen und umziehen.

Was für winzige Unachtsamkeiten welch Mordsaktionen hinter sich herziehen können...es zeigt sich aber wieder mal, Chemie kann einen nicht nur in kritische Situationen bringen (war ja eigentlich ich) sondern einen auch oft aus selbigen wieder herausholen.

Den Raum heizen ist ggf. noch eine gute Idee!

Danke soweit, ich berichte in einem größeren Abstand mal wie der Geruch nachlässt.

Jedenfalls sehe ich nun nichtmehr akut ie Feuerwehr mit dem ABC Trupp im Anrücken was, hätte der Zug nicht vom sondern in`s Treppenhaus gestanden absolut unvermeidbar gewesen wäre, das hätte kein Mietmieter toleriert oder sich irgendwie "erklären" lassen.

Grüße und gut!




PlanetScience

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Re: Pyridin Zwischenfall
« Antwort #5 am: 26. September 2018, 21:03:07 »
Auf die Gefahr hin, das Offensichtliche zu erwähnen: Lüfte mit Durchzug, falls das irgendwie geht. Falls das keine Option ist: Vielleicht lässt sich das Fenster in diesem Raum so klappen, dass die Fensteröffnung vom Fenster in zwei Bereiche eingeteilt wird (oder du erzielst denselben Effekt auf andere Art). Platziere dann einen Ventilator so, dass aus der einen Fensterhälfte Luft angezogen wird und die Luft vom Ventilator auf die kontaminierte Stelle geblasen wird. Die Abluft sollte dann durch die andere Fensterhälfte entweichen.

Ob die geringe Temperaturänderung, die man durch das Heizen erreicht, einen starken Effekt hat, kann ich nicht beurteilen. Wenn das Pyridin durch (evtl. sogar rissige) Fugen seinen Weg bis unter die Fließen gefunden hat, wird das aber denke ich alles nicht viel bringen. Der Vollständigkeit halber: Ich habe nie mit Pyridin gearbeitet. Wenn es sein kann, dass andere Gegenstände im Raum als die Fließen allein Kontakt mit dem Pyridin hatten (z.B. das Holz, das du erwähnst), würde ich da zuerst ansetzen. Wenn du das ausschließen kannst würde ich doch in Richtung der Fließen weiterdenken. Falls es eine Option ist, einige der Fließen neu zu verlegen (hast du noch welche? Kannst du sie nachkaufen?): Das ist vielleicht weniger Aufwand als du denkst. Das schwierigste dürfte sein, die "alten" Fließen und den Kleber darunter sauber mechanisch zu entfernen, sodass du neue Fließen eben aufbringen kannst. Falls auch das keine Option ist: In Nassbereichen (z.B. Dusche) wird für die Fugen gerne Fugenmaterial verwendet, das Beimengungen enthält, die die Fugen für Wasser undurchlässig machen. Eventuell könnte es ausreichen, den alten Kleber aus den Fugen herauszuarbeiten (bestimmt keine angenehme Arbeit, ohne die Fließen zu beschädigen) und solches Material in die Fugen einzuarbeiten. Den Farbunterschied zum normalen Fugenmaterial wird man aber nachher sehen können, und nachdem Pyridin in allerhand lösbar ist, sind die Erfolgsaussichten denke ich eher fraglich. Die Substanz unter den Fließen einzuschließen ist ja auch ohnehin nicht die beste Lösung.
Mein PGP-Schlüssel; Fingerprint: 7FAF A6DF 2554 B333 E87A 88A9 259F E617 B7F7 ED6E

Heuteufel

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Re: Pyridin Zwischenfall
« Antwort #6 am: 30. September 2018, 22:10:56 »
Mit Säure lässt sich der Geruch effektiv beseitigen. Ich benutze meistens verdünnte Essigsäure für sowas, hat aber auch einen gewissen Eigengeruch; Citronensäure sollte es eigentlich auch tun. Das Ausheizen mit einem Heizluftfön, wie von Phil vorgeschlafen ist auch eine gute Idee, mit einmem Bunsenbrenner würde ich nicht ran! Wenn nach dem Behandeln mit Säure (lange feucht halten) der Geruch anhält, ist es meiner Meinung nach nicht, weil das Pyridin in die Fliesen eingedrungen ist, sondern eher weil du Spritzer/kontaminierte Flächen übersehen hast. Die Anwendung von intensiv riechenden Reinigungsmitteln könnten auch hilfreich sein, um Beschwerden entgegenzuwirken.  ;-) Und keine Panik, kann ein paar Wochen dauern, aber der Geruch geht irgendwann wieder fast weg und irgendwann viel später auch ganz.  ;-D
"The higher impact projects tend not to be harder than lower impact projects. Just higher impact." - A commentator on the blog "In the pipeline"

Franco

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Re: Pyridin Zwischenfall
« Antwort #7 am: 04. Dezember 2018, 18:19:24 »
Hallo,

ich wollte ja noch kurz schreiben, wie die ACTION ausging ;-)


---Auf die Gefahr hin, das Offensichtliche zu erwähnen: Lüfte mit Durchzug,

Ehem!  ;-)

--- Fließen allein Kontakt mit dem Pyridin hatten (z.B. das Holz, das du erwähnst), würde ich da zuerst ansetzen. Wenn du das ausschließen kannst würde ich doch in Richtung der Fließen weiterdenken.

Ja...das war schon eine crasse, mehrteilige Aktion...ich habe ja die halbe Nach durch mit Gasmaske uff und alle Fenster und Türen und so erstmal gewischt, eh ich noch zum lesen, googlen, schreiben kamm, zualler erst aber das Zeug aufgenommen!

---Falls es eine Option ist, einige der Fließen neu zu verlegen (hast du noch welche? Kannst du sie nachkaufen?): Das ist vielleicht weniger Aufwand als du denkst.

Wäre, hätte eine, DIE Option sein müssen WENN es sich nicht auch anders geregelt hätte!


---Mit Säure lässt sich der Geruch effektiv beseitigen. Ich benutze meistens verdünnte Essigsäure für sowas, hat aber auch einen gewissen Eigengeruch; Citronensäure sollte es eigentlich auch tun.

Ja...habe ich ja so gemacht, also Weinsäure/Ascorbinsäure mit dem CuSO4 als Komplexbildner aufgebracht, damit auch die Wände, den Hölzernen Abzugunterbau abgewischt....den Fussboden mit dem Zeugs drauf mit Sprüher tagelang feucht gehalten

---Das Ausheizen mit einem Heizluftfön, wie von Phil vorgeschlafen ist auch eine gute Idee, mit einmem Bunsenbrenner würde ich nicht ran

Heizluftfön hat man aus meinem Keller geklaut aber selbst der über die Fläche gefächelte Brenner hat in ca. 15min die Fließen kaum auf 45...50°C gebracht, dann hat's gereicht.

So war dann die erste Woche vergangen und auch nach 10 Tagen habe ich von der Intensität her gedacht "das kann ja dauern" denn eigentlich habe ich von Tag zu Tag kaum/keine Abnahme der Geruchsintensität gemerkt, höchsten über mehrere Tage insgesamt.

Letztendlich habe ich die Fläche dann nochmal mit einer kochenden Ascorbin/Wein/Kupfersulfatlösung geflutet, einwirken lassen und dann nochmal mit Spüliwasser, klarem Wasser....ene Aktiona ber danach war's dann ganz gut.

Inzwischen sind ja etliche Wochen vergangen und selten denke ich, es kommt so ein kleines Düftchen rüber aber eigentlich ist es vorbei.

Irre, wie wenig Pyridin wieviel Ärger machen können.

Ich denke, hoffe, das ist mit eine gute Lehre und Lagerung in Wannen, transport in Gummieimern von solchem "Zeug" ist absolut nicht übertrieben!

Danke für die Tippos, beste Grüße!