Hallo Leute!
Ich lese schon die längste Zeit im Forum mit und habe mich endlich entschlossen mich zu registrieren.
Eigentlich bin ich Elektrotechniker(TU Wien), wollte aber immer schon etwas mit Chemie machen.
Neulich ist mit mir der Spieltrieb wieder durchgegangen und ich habe versucht etwas nach folgender Vorgehensweise zu brauen :
Ein kilo Bionaturreis vom Hofer(Aldi) war leider von Motten befallen

und ich habe den Reis heiss gewaschen.
Über das viele Wasser hat sich der Reis sehr gefreut und hat gleich ausgetrieben. Das ganze hat auch noch zum schäumen angefangen und begonnen zu fermentieren.
Ich habe die Brühe dann weggegossen und den Reis dann bei 80°C im Heissluftherd getrocknet, 1/4 der Menge dann rausgenommen und den Rest bei 160°C geröstet.
Das ganze sollte ein Versuch für Reisbier werden

.
Der gesamte Reis wurde nach dem Abkühlen gemahlen, zusätzlich mit 100g Weizenmehl vermischt und mit 25g Zucker in einem 4l Edelstahltopf unter starkem Rühren erhitzt, jedoch nicht gekocht.
Nach dem Abkühlen wurde ein halber Würfel Backhefe zugesetzt die sich bald über die nahrhafte Suppe freute.
Einen Tag später war das Gemisch heftig am Gären und roch typisch nach Alkohol. Am Abend kehrte Stille ein und ich plante es am nächsten Tag zu destillieren,
da mir das Gebräu für den direkten Konsum doch etwas zu suspekt war und das mit dem Spalten der Stärke nicht geklappt hat.
Vielleicht lässt sich ja das eine oder andere brauchbare Molekül daraus gewinnen.
Zu meiner Verwunderung hatten sich die Schwebstoffe im Gemisch nicht abgesetzt, sondern das Zeug gärte jetzt aber erst richtig drauf los.
Der erste gedanke war, dass ich doch ohnehin genug Essigsäure habe

Nach 3 tagen war dann endlich schluss und ich filtrierte das Gebräu durch ein Tuch, wobei der Geruch schon sehr zum Erbrechen anregte - von Alkohol nichts mehr zu merken.
Der Geruch ist intensiv, es riecht scharf nach lösungsmittel, gleichzeitig schmierig leicht süsslich.
Ich habe das Zeug dann im ersten Durchgang mit einem Waterwise3500 destilliert, im 2. Durchgang in meiner Destillationsapparatur - aus Ermangelung eines NS29 auf S35 Adapters ohne meiner Füllkörperkolonne.
Bei vollem Rückfluss stellt sich eine Temperatur von 88-89°C ein, wenn man Destillat entnimmt steigt die Temperatur am Thermometer auf 94°C.
Der Geruch des Destillats ist jedenfalls grauslich und es löst den Kleber vom Duck-Tape mit dem ich einen Schlauch fixiert hatte.
Die Temperatur steigt nicht scharf sondern kontinuierlich nach einer Stunde langsamen destillierens auf 95,9°C.
Dabei wurden ca. 125ml aus den 750ml abdestilliert.
Die Tropfen die jetzt kommen sind auf Grund des unterschiedlichen Brechungsindex in der Vorlage deutlich sichtbar, auch wie sie sich mit dem Rest vermischen.
Ich hoffe auf ein paar Allwissende Kollegen die eine Idee haben was ich produziert habe. Die Menge des Stoffs ist ja nicht uninteressant.
Ich werde das zeug vorerst aufheben und später fraktionierend destillieren, ich will ohnehin meine versilberte Vakuumkolonne ausprobieren.
Grüße aus Wien,
der Simulant (ANSYS)