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20. Mai 2012, 04:56:13
News: Wie fügt man Reaktionspfeile und Sonderzeichen in Beiträge ein: Das und mehr in FAQ.
 
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Autor Thema: Identifikation eines grauslichen riechenden Destillats  (Gelesen 808 mal)
simulant
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« am: 18. Juni 2011, 16:58:15 »

Hallo Leute!

Ich lese schon die längste Zeit im Forum mit und habe mich endlich entschlossen mich zu registrieren.
Eigentlich bin ich Elektrotechniker(TU Wien), wollte aber immer schon etwas mit Chemie machen.
Neulich ist mit mir der Spieltrieb wieder durchgegangen und ich habe versucht etwas nach folgender Vorgehensweise zu brauen :

Ein kilo Bionaturreis vom Hofer(Aldi) war leider von Motten befallen  schockiert und ich habe den Reis heiss gewaschen.
Über das viele Wasser hat sich der Reis sehr gefreut und hat gleich ausgetrieben. Das ganze hat auch noch zum schäumen angefangen und begonnen zu fermentieren.
Ich habe die Brühe dann weggegossen und den Reis dann bei 80°C im Heissluftherd getrocknet, 1/4 der Menge dann rausgenommen und den Rest bei 160°C geröstet.
Das ganze sollte ein Versuch für Reisbier werden  Augen rollen.

Der gesamte Reis wurde nach dem Abkühlen gemahlen, zusätzlich mit 100g Weizenmehl vermischt und mit 25g Zucker in einem 4l Edelstahltopf unter starkem Rühren erhitzt, jedoch nicht gekocht.

Nach dem Abkühlen wurde ein halber Würfel Backhefe zugesetzt die sich bald über die nahrhafte Suppe freute.
Einen Tag später war das Gemisch heftig am Gären und roch typisch nach Alkohol. Am Abend kehrte Stille ein und ich plante es am nächsten Tag zu destillieren,
da mir das Gebräu für den direkten Konsum doch etwas zu suspekt war und das mit dem Spalten der Stärke nicht geklappt hat.
Vielleicht lässt sich ja das eine oder andere brauchbare Molekül daraus gewinnen.

Zu meiner Verwunderung hatten sich die Schwebstoffe im Gemisch nicht abgesetzt, sondern das Zeug gärte jetzt aber erst richtig drauf los.
Der erste gedanke war, dass ich doch ohnehin genug Essigsäure habe Embarrassed
Nach 3 tagen war dann endlich schluss und ich filtrierte das Gebräu durch ein Tuch, wobei der Geruch schon sehr zum Erbrechen anregte - von Alkohol nichts mehr zu merken.
Der Geruch ist intensiv, es riecht  scharf nach lösungsmittel, gleichzeitig schmierig leicht süsslich.

Ich habe das Zeug dann im ersten Durchgang mit einem Waterwise3500  destilliert, im 2. Durchgang in meiner Destillationsapparatur - aus Ermangelung eines NS29 auf S35 Adapters ohne meiner Füllkörperkolonne.

Bei vollem Rückfluss stellt sich eine Temperatur von 88-89°C ein, wenn man Destillat entnimmt steigt die Temperatur am Thermometer auf 94°C.
Der Geruch des Destillats ist jedenfalls grauslich und es löst den Kleber vom Duck-Tape mit dem ich einen Schlauch fixiert hatte.
Die Temperatur steigt nicht scharf sondern kontinuierlich nach einer Stunde langsamen destillierens auf 95,9°C.
Dabei wurden ca. 125ml aus den 750ml abdestilliert.
Die Tropfen die jetzt kommen sind auf Grund des unterschiedlichen Brechungsindex in der Vorlage deutlich sichtbar, auch wie sie sich mit dem Rest vermischen.

Ich hoffe auf ein paar Allwissende Kollegen die eine Idee haben was ich produziert habe. Die Menge des Stoffs ist ja nicht uninteressant.
Ich werde das zeug vorerst aufheben und später fraktionierend destillieren, ich will ohnehin meine versilberte Vakuumkolonne ausprobieren.

Grüße aus Wien,

der Simulant (ANSYS)
« Letzte Änderung: 18. Juni 2011, 17:40:31 von Phil » Beitrag melden   Gespeichert
Phil
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« Antworten #1 am: 18. Juni 2011, 17:48:03 »

Nun das ist ja direkt etwas für Biochemiker.
Die unterschiedliche Temperatur könnte daher kommen, dass zuerst Ethanol und dann Wasser ab destilliert  wurde. Ethanol bildet mit Wasser ein Azeotrop.
Ethanol wird weiter zu Essigsäure oxidiert, wäre möglich dass der Geruch daher stammt, muss aber nicht sein.
Schau doch mal ob die ersten Fraktionen brennen Grübeln, nein nicht auf der Zunge sondern im Feuer. betrunken
Am besten fragst Du mal in einer Brauerei, falls hier niemand eine Antwort hat, die könnten sicher weiterhelfen. Zwinkern

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« Antworten #2 am: 18. Juni 2011, 18:20:39 »

Ich dachte mir auch, dass zuerst Ethanol kommen würde. Ich konnte aber ca. 80ml destillieren wobei die Temperatur nie 88°C unterschritten hat. Bei Ethanol hätte ich mir gedacht dass zumindest am Anfang die Temperatur niedriger ist.
Ethanol und Essigsäure hatte ich schon früher produziert - sollte ein Wein werden. Das ganze hat aber doch ziemlich anders gerochen.
Jetzt köchelt das zeug gerade bei 100°C das Wasser weg. Bin gespannt ob sich noch etwas anderes versteckt.

Danke jedenfalls für den Tip.

Nachtrag:
Ich komme gerade aus meinem labor. Das Wasser das sich in der Vorlage sammelt riecht ganz leicht und hinterlässt schmierige Spuren auf der Haut. Die Temperatur ist 100,7°C - das heisst sie steigt leicht an.

Außerdem ist das Destillat leicht trübe. Ich glaube da wird etwas mitgeschleppt. Die ursprünglich doch recht klare Flüssigkeit im Destillationskolben trübt sich immer mehr ein - leicht gelbstichig.
Ich liebe Chemie einfach  Grin
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Phil
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« Antworten #3 am: 18. Juni 2011, 18:22:58 »

Es könnten Ethrischeöle sein.
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« Antworten #4 am: 18. Juni 2011, 18:50:36 »

Ich glaube ich habs gefunden - reiner zufall:

http://de.wikipedia.org/wiki/Diacetyl

Ein Nebenprodukt bei der Gährung vor allem bei Bierhefen. tritt auf bei falscher Gährführung auf.

Typisch ich, hat bloss das Totenkopfsymbol  schockiert Cry
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« Antworten #5 am: 18. Juni 2011, 18:56:21 »

Da lag ich also gar nicht schlecht, scheinbar hast Du einen Fuselalkohol erhalten. Grin
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« Antworten #6 am: 18. Juni 2011, 21:25:43 »

Zitat
Es könnten Ethrischeöle sein.
Zitat
Da lag ich also gar nicht schlecht, scheinbar hast Du einen Fuselalkohol erhalten. Grin
Nun ja, manche Leute tun solche ätherischen Öle ins Bad oder reiben sich damit ein. Fuselöle hingegen... Cheesy
(Ach wenn von einem rein chemischen Standpunkt die Unterschiede zwischen den beiden "Stoffklassen" nicht so gross sind.)

Zitat
Ich glaube ich habs gefunden - reiner zufall:

http://de.wikipedia.org/wiki/Diacetyl

Ein Nebenprodukt bei der Gährung vor allem bei Bierhefen. tritt auf bei falscher Gährführung auf.
Wenn du genauer wissen willst, woraus die einzelnen Fraktionen bestehen, kannst du ja noch einige Tests machen: Löslichkeit in Wasser, Flammenfärbung des Borsäureesters, pH, DNPH, Schiffs Reagenz, Iodoform-Probe, Geruch nach Behandlung mit Aktivkohle (zum Entfernen kleiner Mengen Fuselöle), etc.   
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« Antworten #7 am: 19. Juni 2011, 03:02:11 »

So, jetzt habe ich den zweiten Teil destilliert (schnell) und dann beide vereinigt und nochmal destilliert. Das trübe Zeug das >99°C siedet habe ich entsorgt.
Den Temperaturverlauf habe ich aufgezeichnet und angehängt.
Dort wo der Knick ist habe ich die Vorlage gewechselt.
Beide Fraktionen (sofern es wirklich 2 sind) brennen mit blasser blauer Flamme. Die erste Fraktion dürfte tatsächlich Ethanol sein das etwas Geruch angenommen hat, brennt rückstandsfrei.
Verdunstet wie erwartet auch sehr schnell.
Die Zweite ist anders, riecht anders (schmierig, leicht butterartig-  weiss nicht wie ich es beschreiben soll) lässt sich anzünden, brennt aber nicht vollständig auf meinem Metallschälchen ab, kühlt bei reduzierter Menge wahrscheinlich zu stark ab oder enthält zu viel Wasser. Riecht jedenfalls nicht nach Ethanol obwohl das Zeug brennt. Diacetyl ist aber laut wikipedia gelb-grünlich, meine Produkte allerdings glas klar wie unsichtbar.

Grünel grübel unentschlossen
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« Antworten #8 am: 19. Juni 2011, 08:24:51 »

Versuch doch noch einen Brechungsindex und einen Erstarrungspunkt zu messen.
Ich würde es nochmals fraktionieren.
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« Antworten #9 am: 19. Juni 2011, 12:58:10 »

Ein Teil des Rätsels ist gelöst. So wie es aussieht ist es ein Mehrfachazeotrop.
Je öfters man destilliert, desto reiner erhält man Ethanol dessen Wasser die unbekannte Substanz mittschleppt.
Wenn man nochmals Destilliert, konzentriert sich der Ethanol und verliert allmählich den grauslichen Geruch, allerdings trübt sich das Gemisch im Destillationskolben ein das vorher mit erhöhten Ethanolgehalt glasklar war.
Die unbekannte Substanz lässt sich vom Wasser nur sehr schwer trennen und wird gnadenlos bei 100-101°C mitgeschleppt Retrosynthesepfeil rechts ohne Kolonne nicht sinnvoll.
Das heisst ich habe den Großteil der interessanten Substanz schon entsorgt  Cry

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« Antworten #10 am: 24. Juni 2011, 01:09:05 »

Hast Du noch eine andere Beschreibung als 'grauslich'- woran erinnert Dich der Geruch?
Du koenntest die Probe nach verschieden chemischen Charakteristika testen-
zB nach Keton (via phenylhydrazid)
Aldehyd (Fehling)
Dialkohol (cis) mit NaIO4
Saeure, Basenempfindlichkeit (verschwindet der Geruch zB nur mit Base, aber nicht Saeure),
etc etc- (Buch zur organischen Analytik ist sicher hilfreich).

Ansonsten- NMR is, sofern das grauselige Molekuel pur ist, die beste Methode Smilie

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« Antworten #11 am: 24. Juni 2011, 20:07:37 »

Der grausliche Geruch ist von der Mischung verursacht worden. Ich habe durch Mehrfachdestillation den Alkohol ziemlich rein rausbekommen. Übrig geblieben ist eine trübe Wassermischung die ich versucht habe mit Xylol zu extrahieren(was anderes hatte ich nicht).
Das Ergebnis war trübes Xylol mit weniger trüben Wasser im Scheidetrichter. Aber wie heisst es so schön in der Werbung: "Unser Salz, Gott erhalts!". Der 1/2l Wasser hatte zumindest bei Raumtemperatur keinen Geruch mehr und war fast ganz klar.
Das Xylol hat eine blass rosa Färbung und darunter ist noch eine klare Substanz die sich nicht im Xylol lösen will (vielleicht brauche ich mehr Lösungsmittel oder es ist einfach nur Wasser). Zumindest habe ich jetzt nur mehr ca. 60ml die genauer betrachtet werden wollen. Abgesehen vom Xylolgeruch der ziemlich gedämpft ist riecht die Sache fast mild Parfümartig (Hätte ich eine Freundin würde ich wissen nach welchem).
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